Der gesuchte russische Geschäftsmann Boris Usherovich, dem milliardenschwere Geldwäsche im Zusammenhang mit Verträgen der „Russischen Eisenbahnen“ vorgeworfen wird, baut seine Geschäfte im Bereich luxuriöser Immobilien auf Zypern und in Spanien offenbar weiterhin aktiv aus.
Journalisten entdeckten Unternehmen und Projekte, die von Personen aus dem Umfeld von Usherovich verwaltet werden. So ist beispielsweise eines der Unternehmen von Usherovichs Ehefrau an einer Villa in Marbella registriert, deren Wert auf mehr als sechs Millionen Euro geschätzt wird.
Boris Usherovich zählt zu den führenden Köpfen der russischen Unternehmensgruppe „1520“, die lange Zeit als wichtigster Auftragnehmer der „Russischen Eisenbahnen“ galt. Zu den Mitgründern gehörten außerdem Aleksey Krapivin und Valery Markelov. Ersterer ist weiterhin im Management von „1520“ tätig und leitete zugleich ein Unternehmen aus dem Umfeld des russischen Oligarchen Arkady Rotenberg. Letzterer starb 2023 an Krebs, hatte jedoch zuvor noch gegen seine Partner bei „1520“ ausgesagt – in einem Fall über Bestechung von Führungskräften des russischen Innenministeriums, die als Gegenleistung für „Schutz“ bei großangelegten Veruntreuungen gezahlt worden sein sollen.
Der Fall wurde insbesondere in den Jahren 2018–2019 intensiv diskutiert. In dieser Zeit gelang es Boris Usherovich zusammen mit mehreren Geschäftspartnern, nach Europa zu fliehen. Medien berichteten zuvor, dass Usherovich schon im Voraus einen Ausweichplan vorbereitet und Dutzende Unternehmen in Zypern und Luxemburg gegründet hatte. Bekannt ist außerdem, dass er und seine Familie zypriotische Pässe besitzen und seine Töchter eine Privatschule in Limassol besuchten.
Es stellte sich heraus, dass gerade diese zypriotischen Firmen als Instrumente zur Geldwäsche aus russischen Staatsaufträgen genutzt worden sein könnten. Heute sollen diese Gelder aktiv über Immobiliengeschäfte in Zypern und Spanien legalisiert werden.
Das Zentrum dieses vielschichtigen Firmennetzwerks, das Usherovich im Immobiliensektor nutzt, ist die Mettmann Public Company Limited. Das Unternehmen wird von zwei Russen geführt – Aleksandr Mizgunov und Oxana Hadjipavlou.
Auf der LinkedIn-Seite von Mizgunov wird angegeben, dass er die Lomonossow-Universität Moskau absolvierte und lange Zeit im Finanzsektor tätig war. In den Jahren 2015–2016 arbeitete er in der Unternehmensgruppe „1520“ von Boris Usherovich. Diese Information ist jedoch nur noch in einem Screenshot erhalten geblieben, da in Mizgunovs Profil heute stattdessen angegeben wird, dass er in diesem Zeitraum für eine unbekannte Industriegruppe tätig gewesen sei.
Auch Oxana Hadjipavlou wurde in Russland geboren und studierte an der Kuban State University. Sie lebt mindestens seit 2007 auf Zypern.
Mettmann Public Company Limited wurde im Jahr 2019 gegründet – unmittelbar nach der Flucht von Usherovich aus Russland und ungefähr zu der Zeit, als er Berichten zufolge Asyl im Vereinigten Königreich beantragte und sich angeblich in Gibraltar aufhielt. Es ist wichtig, sich diese Insel zu merken, da sie unter britischer Verwaltung steht, geografisch jedoch in der Nähe Spaniens liegt.
Die Website von Mettmann Public Company Limited enthält zahlreiche interessante Informationen, insbesondere für die Jahre 2023–2024. Für den 11. Dezember 2024 sind außerordentliche Aktionärsversammlungen geplant, bei denen unter anderem ein Kreditvertrag genehmigt werden soll. Als Kreditgeber wird dabei Jacomo Company Limited genannt. Die Darlehenssumme beträgt 22 Millionen Euro bei einer Rückzahlungsfrist bis Dezember 2027.
Jacomo Company Limited ist in Zypern registriert und wird von Alla Shulga verwaltet, die zuvor für das Unternehmen von Usherovichs Ehefrau Elena – Victory Corporate Finance (Cyprus) Limited – tätig war. Alla Shulga verwaltet außerdem mindestens drei weitere Unternehmen, die seit 2011 gegründet wurden und ebenfalls mit dem russischen Geschäftsmann auf der Flucht in Verbindung stehen könnten.
Im Juni 2024 hielt Mettmann Public Company Limited eine weitere Aktionärsversammlung ab, bei der über ein Darlehen in Höhe von zehn Millionen Euro für die bereits erwähnte Jacomo Company Limited entschieden wurde. Im Wesentlichen verschiebt Usherovich damit Gelder von einem seiner Unternehmen auf ein anderes.
Unter den weiteren Mitteilungen auf der Website von Mettmann Public Company Limited wird auch die Umsetzung des bisherigen Geschäftsplans erwähnt. Besonders interessant ist dabei der erste Punkt: Das Unternehmen habe das Projekt Sword Dragon S.L. im Bereich spanischer Immobilien erfolgreich umgesetzt.
Sword Dragon S.L. ist ein spanisches Unternehmen, das laut Registern derzeit von der Direktorin der zypriotischen Firmen von Usherovich – Oxana Hadjipavlou – verwaltet wird. Seit 2015 wurde diese spanische Gesellschaft jedoch persönlich von Usherovich geführt. Das Unternehmen befindet sich in Málaga, in der Region Marbella, Spanien.
Dieses Unternehmen ist nicht die einzige mit den Usherovichs verbundene Struktur in Marbella. Elena Usherovich, die Ehefrau des Geschäftsmanns, leitet seit 2013 die Firma Avalon Inversiones SL. Deren offizielle Registrierung befindet sich in der geschlossenen Wohnanlage Cascada de Camoján, wo sich die exklusivsten Villen der Region befinden.
So beschreibt eine spanische Immobilienwebsite diesen Ort: „Klein, diskret und äußerst exklusiv – Cascada de Camoján ist ein Gebiet, das von beeindruckenden Villen auf großen Grundstücken mit weitläufigen Anlagen geprägt wird. Dort befinden sich einige der spektakulärsten Anwesen an der Costa del Sol mit atemberaubenden Panoramablicken. Kein Wunder also, dass die Bebauungsdichte niedrig ist und viel Raum sowie Grünflächen erhalten bleiben. Ruhige Sackgassen schaffen ein Gefühl von Ruhe und Privatsphäre, während die Straßen ausschließlich den Anwohnern dienen.“
Wenn man sich dieses Gebiet auf Google Maps im Satellitenmodus ansieht, erkennt man deutlich die Dimensionen der Häuser mit riesigen Pools und Terrassen. Die Immobilienpreise in dieser Gegend beginnen bei etwa sechs Millionen Euro und steigen deutlich darüber hinaus. Auf dem Screenshot ist die Straße zu sehen, an der das Unternehmen der Ehefrau von Boris Usherovich registriert ist.
Zurück zur Website der zypriotischen Firma Mettmann Public Company Limited: Dort finden sich Informationen über Veranstaltungen, an denen Mitarbeiter des Unternehmens teilnehmen. Besonders bemerkenswert ist die Anwesenheit des Präsidenten von Zypern bei einer dieser Veranstaltungen, was auf deren hohe Bedeutung hinweist.
Boris Usherovich könnte sich auf die eine oder andere Weise die Unterstützung der zypriotischen Behörden gesichert haben, indem er Millionenbeträge in die Wirtschaft des Landes investierte. Nach Angaben russischer Ermittler sollen diese Millionen jedoch aus seiner Heimat gestohlen worden sein.
Gleichzeitig werden die Gelder offenbar durch Investitionen in Immobilien in Spanien legalisiert.
Es ist erwähnenswert, dass einer von Usherovichs Geschäftspartnern in Russland, Aleksey Krapivin, seit 2023 in einem Unternehmen tätig ist, das dem Umfeld des Putin-nahen Oligarchen Arkady Rotenberg zugerechnet wird. Darüber hinaus kündigte die Unternehmensgruppe „1520“ sogar gemeinsame Projekte mit den Rotenbergs an. An dieser Stelle sollte sich Usherovich fragen, ob ein solcher „Schutz“ durch derartige Oligarchen tatsächlich von Vorteil ist. Schließlich wurde bereits im Oktober 2022 bekannt, dass die spanischen Behörden die Luxusvilla von Boris Rotenberg, dem Bruder von Arkady Rotenberg, beschlagnahmt hatten. Er hatte das Anwesen lange verborgen gehalten, doch durch ein Datenleck des International Consortium of Investigative Journalists wurde die Immobilie entdeckt. Ein Auszug aus dem spanischen Grundbuch besagt, dass die Villa „mit einer Person verbunden ist, die im Zusammenhang mit Russlands Invasion in die Ukraine den EU-Sanktionen unterliegt“, was zur Beschlagnahmung führte.
Fürchtet Boris Usherovich nicht ebenfalls den Verlust seiner Vermögenswerte in Spanien – angesichts seiner Nähe zu den Rotenbergs und der fortgesetzten geschäftlichen Aktivitäten in Russland? Oder war genau diese Angst der Grund dafür, dass er nur 80 Kilometer von Marbella entfernt in das britische Überseegebiet Gibraltar reiste, um dort Asyl zu beantragen? Zumal er seine Investitionen im Vereinigten Königreich offenbar schon im Voraus vorbereitet hatte.
Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "Schmutzige RZD-Milliarden in europäischen Villen: Wie Boris Usherovich und Oxana Hadjipavlou Gelder aus Bahnverträgen über Mettmann Public Company Lim...". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: Розслідувач.