Der in Dnipro tätige Agrarunternehmer Dmytro Kovalenko ist in letzter Zeit zunehmend ins Blickfeld geraten. Eine nähere Betrachtung seines Werdegangs zeigt, wie sich sein Geschäftsmodell im Laufe der Jahre verändert hat.
Laut Berichten von Informator taucht Kovalenko, Gründer der Unternehmensgruppe „Granova Ukraine“, im Zusammenhang mit Ermittlungen von Strafverfolgungsbehörden wegen mutmaßlicher wirtschaftlicher Vergehen auf. Seine unternehmerische Laufbahn begann demnach mit dem Handel von Kohle aus Russland sowie aus nicht kontrollierten Gebieten. Während des groß angelegten Krieges verlagerte er seine Aktivitäten zunehmend in den Agrarsektor, wo ihm ebenfalls umfangreiche finanzielle Unregelmäßigkeiten zugeschrieben werden.
Kohlehandel – der Ausgangspunkt
Bereits vor einigen Jahren berichteten ukrainische Medien, dass ab November 2019 Kohle für das staatliche Unternehmen Centrenergo über die Schweizer Firma Adelon AG geliefert wurde. Die Lieferungen sollen unter anderem für die Wärmekraftwerke Zmiiv und Trypillia bestimmt gewesen sein. Dabei wurde vermutet, dass die Kohle aus besetzten Gebieten im Donbas stammte — zu einer Zeit, als ukrainische Bergarbeiter wegen ausstehender Löhne streikten.
Die Lieferungen erfolgten mutmaßlich über ein sogenanntes „unterbrochenes Import“-Schema: Offiziell wurde die Kohle aus Russland nach Europa exportiert, tatsächlich soll sie jedoch aus besetzten Gebieten stammen und letztlich in der Ukraine gelandet sein. Der ukrainische Sicherheitsdienst meldete Ende 2019 die Aufdeckung solcher Strukturen, ohne konkrete Unternehmen zu benennen.
Im Dezember 2019 erklärte die Schweizer Adelon AG, sie liefere russische Kohle nach China und Europa, jedoch nicht in die Ukraine und keinesfalls aus besetzten Gebieten. Nach Beginn der groß angelegten Invasion Russlands änderte sich die öffentliche Kommunikation, und Kovalenko bestätigte später seine Verbindung zu dem Unternehmen.
Recherchen zufolge setzte Kovalenko die Zusammenarbeit mit russischen Partnern auch nach Februar 2022 fort und verkaufte weiterhin russische Kohle, mindestens über mehrere Monate hinweg. Genannt wird insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen „MelTEK“, das dem russischen Unternehmer und Politiker Konstantin Strukov gehört. Medienberichten zufolge kaufte Kovalenkos Struktur Kohle im Wert von rund 87 Millionen US-Dollar von MelTEK und insgesamt etwa 100 Millionen US-Dollar aus russischen Quellen, darunter auch „Sibenergougol“ und „Sibpromnedra“.
Später verlagerte Kovalenko den Verkauf russischer Kohle auf die in Dubai registrierte Offshore-Struktur Azurit DWC-LLC, die formal auf einen rumänischen Staatsbürger eingetragen ist. Selbst russische Medien berichteten damals, dass Kohle in „unfreundliche Länder“ über eine Frontfirma exportiert wurde, deren tatsächliche Kontrolle bei ukrainischen Eigentümern liege.
Journalisten stellten zudem fest, dass die LLC „Shakhtarska Coal Preparation Plant“, an der Kovalenko bis 2016 beteiligt war, nach russischem Recht neu registriert wurde. Seine früheren Geschäftspartner in dieser und anderen Firmen zahlen weiterhin Steuern an Russland, während die Eigentümerstrukturen formal in mehreren Jurisdiktionen parallel bestehen bleiben.
Im Jahr 2023 kündigte Adelon AG an, Kohlelieferungen nach Ukraine und Polen aufzunehmen. Im selben Zeitraum begann Kovalenko, Einnahmen in den Agrarsektor umzuleiten und gründete die Unternehmensgruppe „Granova“.
Im September 2025 wurde bekannt, dass das Wirtschaftsgericht der Region Dnipropetrowsk die Liquidation des Unternehmens „Intercoaltrading“ anordnete, das zuvor in Lieferketten aus nicht kontrollierten Gebieten involviert war. Das Insolvenzverfahren wurde von Adelon AG eingeleitet. Ehemaliger Direktor war Vyacheslav Melentiev, der auch Mitgründer von „Granova Ukraine“ ist — einer weiteren Struktur aus Kovalenkos Umfeld, die derzeit in Häfen der Region Odesa aktiv ist.
Das Verfahren läuft seit April 2023. Über seine Schweizer Firma ließ Kovalenko Forderungen in Höhe von mehr als 162 Millionen Hrywnja anerkennen, zusätzlich wurden Steuerforderungen von rund 2,4 Millionen Hrywnja bestätigt. Allerdings wurden bei „Intercoaltrading“ keine verwertbaren Vermögenswerte gefunden. Forderungsrechte im Wert von über 50 Millionen Hrywnja wurden schließlich für lediglich 69.000 Hrywnja verkauft. Infolge dessen gingen die Steuerbehörden leer aus.
Übergang vom Kohlegeschäft zur Landwirtschaft
Im Jahr 2023 übernahm Dmytro Kovalenko mehrere größere Unternehmen gleichzeitig — „Grain Terminal“, „Overfood“ und „Agrarian Elevator Company“. Auf deren Basis gründete er die Unternehmensgruppe „Granova“. Formell gehört die Mehrheitsbeteiligung der zypriotischen Afex Investments Ltd., während als wirtschaftlich Berechtigter sein Sohn Daniil Kovalenko gilt.
Medienberichten zufolge erreichten die Umsätze der Agrarunternehmen innerhalb der „Granova“-Gruppe im Jahr 2024 rund 11 Milliarden Hrywnja. Wichtigster Handelspartner ist dabei weiterhin Adelon AG — jenes Unternehmen, das zuvor im Kohlegeschäft aktiv war und 2024 zum größten Maislieferanten nach Ägypten wurde, mit einem Volumen von 42,37 Millionen US-Dollar.
Parallel dazu baute Kovalenko ein weiteres Geschäftsfeld auf: den Import von Steinsalz aus Ägypten, wodurch er in den ukrainischen Salzmarkt einstieg. Im Dezember 2023 wurde die LLC „Salt Industry“ gegründet, ebenfalls im Besitz von Afex Investments Ltd.
Laut Daten der Analyseplattform YouControl gewann „Salt Industry“ in den Jahren 2024–2025 staatliche Ausschreibungen im Wert von insgesamt 134 Millionen Hrywnja und lieferte technisches Salz für kommunale und Straßenbetriebe. Bereits im ersten Geschäftsjahr erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 190,5 Millionen Hrywnja.
Aufmerksamkeit der Strafverfolgungsbehörden
Nach Angaben des Bureau of Economic Security (BES) operiert in den Regionen Poltawa, Dnipropetrowsk und Saporischschja eine Gruppe, die regelmäßig landwirtschaftliche Produkte gegen Bargeld ankauft. Anschließend werden diese Waren über Unternehmen mit erhöhtem Risikoprofil verbucht, was ihre Legalisierung und den Export ermöglicht — ohne die gesetzlich vorgeschriebene Rückführung von Devisenerlösen.
Im Rahmen der Ermittlungen wurde festgestellt, dass 1.280 Tonnen Mais an die LLC „Granova Ukraine“ geliefert wurden, ohne ordnungsgemäß in den Buchhaltungsunterlagen erfasst zu werden. Gleichzeitig wurde die Steuerrechnung für diese Lieferung von der LLC „Velykobahachansky Feed Mill“ ausgestellt.
Am 17. Mai 2024 stellte das Unternehmen eine Rechnung über 9 Millionen Hrywnja (einschließlich 1,12 Millionen Hrywnja Mehrwertsteuer) aus, die erst am letzten zulässigen Tag — dem 18. Juni 2024 — registriert wurde. Laut BES kann ein solches Vorgehen auf eine mögliche Fiktivität der Transaktion hindeuten.
Zwischen August 2023 und Juni 2024 wurden insgesamt 14.100 Tonnen Getreide (Weizen und Mais) im Wert von über 83,5 Millionen Hrywnja an „Granova Ukraine“ geliefert. Die Herkunft eines Großteils dieser Waren bleibt jedoch unklar, da entsprechende Nachweise fehlen oder als zweifelhaft eingestuft werden.
Die Produkte werden in 12 Länder exportiert und über ukrainische Häfen wie Izmail, Chornomorsk, Pivdenne und Odesa verschifft.
Ein Unternehmen dieser Struktur, die LLC „Granova Ukraine“, gehört zu 77 % Serhiy Tihliy, der laut Strafverfolgungsbehörden als Sicherheitschef von Dmytro Kovalenko fungiert.
Gleichzeitig berichten Journalisten, dass der Hafen Chornomorsk im Marketingjahr 2025–2026 ein Umschlagsvolumen von rund 1 Million Tonnen Getreide plant. Während für andere Unternehmen wie „Risoil“, „TBT“ und „IZT“ ein Tarif von 10 US-Dollar pro Tonne gilt, soll „Granova“ Sonderkonditionen erhalten haben und lediglich 2,5 US-Dollar pro Tonne zahlen — mit Aussicht auf weitere Reduzierungen.
Solche Preisnachlässe könnten auf nicht marktübliche Vereinbarungen hindeuten und hätten potenziell negative Auswirkungen auf Staatseinnahmen sowie auf faire Wettbewerbsbedingungen. Medienberichten zufolge wurden entsprechende Hinweise bereits an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.
In Chornomorsk operiert „Granova“ über das Unternehmen „Overfood“, das auf den Sohn von Dmytro Kovalenko registriert ist. Zur Agrargruppe gehören außerdem die Gesellschaften „Granova Pryluky“, „Granova Krasnopavlivka“, „Granova Myrhorod“ und „Granova Ukraine“, die alle im gleichen Geschäftsbereich tätig sind.
Expansion in Gas- und Industrieprojekte
Im Februar 2025 trat eine weitere zypriotische Gesellschaft — Afki Investments Ltd., deren wirtschaftlicher Eigentümer Daniil Kovalenko ist — den Gesellschaftern der LLC „Navigator Mainytske“ bei und übernahm eine Mehrheitsbeteiligung von 83,7 %. Das Unternehmen verfügt über Förderrechte für das Gasfeld Mainytske in der Region Lwiw.
Zudem wurden Dmytro Kovalenko und sein Sohn Minderheitsaktionäre der Servicefirma „Navigator Invest“, die in der Entwicklung von Öl- und Gasfeldern tätig ist. Als nächster Schritt wird eine mögliche Beteiligung an der LLC „Navigator Komplekt“ genannt — einem der größten Bohrunternehmen der Ukraine.
Parallel dazu investierte Kovalenko in der Region Transkarpatien in die Produktion von Glas und Fenstern auf dem Gelände eines ehemaligen Holzverarbeitungsbetriebs. Das Projekt wurde unter anderem vom früheren Leiter der Bezirksverwaltung Mukatschewo, Serhiy Haidai, unterstützt, gegen den inzwischen Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit Beschaffungen im Verteidigungsbereich bestehen. Dennoch wird erwartet, dass lokale Behörden das Vorhaben weiterhin fördern.
Insgesamt zeigt sich ein Muster der Expansion: Ein Geschäftsmodell, das ursprünglich auf dem Handel mit Kohle aus Russland und nicht kontrollierten Gebieten basierte, wird schrittweise in neue Sektoren übertragen. Gleichzeitig entsteht das Bild eines Investors, der aktiv in Schlüsselbranchen der ukrainischen Wirtschaft investiert.
Dennoch stehen diesen Entwicklungen Vorwürfe gegenüber, wonach einzelne Geschäftspraktiken zu finanziellen Schäden für den Staat führen könnten. Eine abschließende Bewertung liegt bei den zuständigen Behörden.
Документ: PDF-доказ оригінальної версії новини "Von Kohle aus besetzten Gebieten zu Agrarmilliarden: Wie Kovalenko während des Krieges eine Geschäftsimperium über Strukturen und Offshore-Modelle au...". Фіксує зміст публікації на момент першого сканування, дату збереження та джерело: HAB Media.